Escape To Life: Deutsche Kultur Im Exil - Klaus Mann, Erika Mann Als Hitler 1933 an die Macht kam verließen viele deutsche Kulturschaffende das Land unter den vielen auch die Familie Mann. Dieses Buch ist diesen Menschen gewidmet, die teils unerwünscht wären von den neuen Machthabern, teils aber auch einfach keinen Sinn darin sahen ihr Schaffen von den Richtlinien des totalitären und gesäuberten Stils einengen zu lassen. Sie verließen Deutschland und verstreuten sich über die ganze Welt.

Geschrieben kurz nach dem Anschluss Österreichs, noch vor dem Beginn des zweiten Weltkrieges, wurde dieses Buch aus der Feder von Klaus und Erika Mann 1939 zum ersten Mal in den USA veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe kam erst, wenn ich mich nicht irre, 1991 in die Buchhandlungen. Sie wurde zum Teil aus dem englischen Übersetzt, da die deutschen Skripts nicht mehr aufzufinden waren.

Das Buch ist einerseits ein Who is who der deutschen Exilanten und kümmert sich nicht sehr um die Flüchtlinge ohne große Namen, aber es ist auch ein sehr interessantes zeitgeschichtliches Werk, denn nicht nur kommen die deutlichen und sehr deutschland-kritischen Stimmen von Klaus und Erika Mann zu Wort, sondern auch viele andere noch heute berühmte Personen, und manche, die man doch mittlerweile vergessen hat.

An vielen Stellen ist es ein sehr ehrliches Buch. Es lässt auch nicht Personen aus, die Hitler ehedem sehr nahe standen oder die unentschiedenen. Es beleuchtet ein breites Band des deutschen Exils über viele Länder und Grenzen, erzählt Fluchtgeschichten und die oft tragischen Ereignisse, die sich erst nach dem Entkommen von der Diktatur ergeben haben. Es ehrt die Toten, die, welche Deutschland nicht entkommen sind, wie Carl von Ossietzky, oder jene, die der vorherige Kampf und das Exil nicht ertragen haben, wie Kurt Tucholsky. Es erfasst sogar die Menschen die sich, wie Erich Kästner in ein „inneres Exil“ begeben haben, also Deutschland nicht verlassen haben.

Natürlich ist es kein umfassendes geschichtliches Werk. Die lange Zeit bis '45 erforderte noch viele Opfer und brachte noch weit mehr Flüchtlinge, denn zu dem Zeitpunkt da dieses Werk entstand und welches sich zu einem großen Teil mit den Exilanten in den USA befasst, waren Frankreich, die Niederlande, ja bis auf Spanien und Italien alle anderen Länder die nicht ins Großdeutschland eingemeindet wurden noch freie Länder. Kritisch den Entwicklungen in Deutschland gegenüber, aber auch kritisch gegenüber den Flüchtlingen, der Platz in Europa ist und war nicht unbegrenzt und Arbeitslosigkeit auch in den USA ein großes Thema.
Soweit ich es verstanden habe, sollte dieses Buch vor allem Verständnis aufbringen für die Exilanten und ihre Familien, für die ein Leben in der Heimat unmöglich geworden war und es sollte ebenso zeigen, wie dankbar und aufgeschlossen diese Deutschen ihren neuen Heimatländern gegenüber waren. Des weiteren appelliert es an die Deutschen im Ausland den gemeinsamen Feind zu erkennen und ihn mit Worten und Taten der Kunst entgegen zu wirken.

Familie Mann macht es mir nicht immer leicht. Ich mag Heinrich aber Thomas mag ich nicht wirklich. Von Erika habe ich bislang nichts gelesen und Klaus ist ein schwieriger Fall. Ich mochte seinen Mephisto, aber das meiste andere das ich von ihm gelesen habe hat einen Sprachstil, der nicht mit mir kommuniziert.
Als ich dieses Buch jetzt aufschlug, war ich erst genervt. Es beginnt mit einer Art Interview, in dem Klaus und Erika persönlich zu Wort kommen und ist genau das, was ich an ihnen nicht mag. Pittoresk, seltsam, unnatürlich... und ich ging mit der Erwartung ins nächste Kapitel, das dies Buch ein harter Brocken wird. Aber dem war dann gar nicht so. Bis auf ein paar sprachliche Eigenheiten, die der Zeit und der Herkunft der beiden zugestanden seien, war es ein durchaus gut zu lesendes und interessantes Buch, selbst dann, wenn sie den Rahmen des Sachbuchs verließen, in dem imaginären Tagebuch eines Studenten in Princeton zum Beispiel, blieb es interessant und kein einziges Mal so verschroben wie in besagtem „Interview“.
Ich fand sie erstaunlich fair, auch gegenüber Personen von denen bekannt ist, das sie sie nicht wirklich mochten und die Einblicke in diese seltsame Halbwelt der unfreiwilligen Auswanderer hat mich bis zur letzten Seite interessiert.
Zwischendurch musste ich mir zwar immer vor Augen halten, das sie nicht ahnen, was noch alles zwischen '39 und '45 passieren wird, aber das kann man dem Buch, als Zeugnis der Zeitgeschichte nicht zur Last legen.

Fazit:
Ich bin froh dieses Buch von meinem SuB heruntergeholt, abgestaubt und endlich gelesen zu haben. Es hat mir, auch wenn das bei einem solchen Thema eher unangemessen ist, gut gefallen.