One Day - David Nicholls One Day, ein Tag, zwanzig Jahre lang. David Nicholls schreibt über zwei Menschen und ihre Beziehung, fokussiert auf den 15. Juli von 1988 bis 2008. Es ist eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und das Leben und ein Stück Zeitgeschichte.

Erster Satz:

„I suppose the important thing is to make some sort of difference,“ she said. „You know, actually change something.“

Mit diesem Satz von den Lippen Emma Morleys beginnt Nicholls und lässt den Leser gleich mitten in die Geschichte hinein springen. Emma, die graue Büchermaus, liegt mit Dexter Mayhew, dem Draufgänger auf dem Bett ihrer Studentenbude und philosophiert über die Zukunft. Es ist 1988, sie haben beide gerade das Studium beendet und ein bisschen zuviel getrunken. Der Morgen graut... und ihre Wege werden sich trennen oder auch nicht, denn die beiden entdecken, dass sie sich lieber mögen, als beide in diesem Moment, abgeklärt und erwachsen wie sie sich empfinden, eingestehen wollen. Sie sind zu verschieden...

Hintergründe:

Die Idee des Romans hat mich fasziniert und das war auch der Grund warum ich mir dieses Buch mitgenommen habe. Einen Blick auf immer den gleichen Tag eines Jahres zu werfen und zu sehen was mit den beiden geschieht. Lebensgeschichte, wie in vielen Romanen, aber in einem etwas anderen Format und das etwas schrille, arg orange Cover war auch ein Eyecatcher.

Zudem spielt das ganze für mich im hier und jetzt. Ich bin etwas jünger als die beiden, aber den Verlauf der Zeitgeschichte konnte ich sehr gut nachvollziehen und auch das machte einen großen Reiz aus... zudem wird in vielen Rezensionen der große Realismus der Geschichte gelobt.

Bewertung:

Zu Anfang war ich auch so fasziniert wie ich es mir erhofft hatte, die ersten Jahre der beiden, in denen sie erst richtig zusammenfinden sind faszinierend. Lange Briefe von Emma, Postkarten von Dex, der nach dem Studium erstmal durch die Welt reist. Interessant und kurzweilig, doch dann verloren sich diese Reize sehr schnell. Denn natürlich sind beide Charaktere nicht ganz normale Leute. Dexter geht zum Fernsehen, wird hipp und wie es in den 90gern wohl sein musste, gerät zwischen Alkohol, Erfolg und falschen Freunden auf die schiefe Bahn... während Emma statt etwas sinnvolles zu tun erstmal Jahre mit einem lausigen Job und gähnender Biederkeit verbringt.

Jaja, es waren zwei Königskinder... seufz...

Der Roman verliert in meinen Augen durch das permanente Namedropping aus Büchern, Kunst und Kultur ungeheuer und die beiden Charaktere sind, so leid es mir tut, nicht normal und nah an der Realität sondern in vielen Punkten klassische Gestalten eines jeden Liebesromans. Biedere Maus und supertoller Frauentyp. In der Realität wären beide in meinen Augen irgendwo dazwischen.

Aber das wäre ja langweilig, mag der ein oder andere jetzt denken. Das finde ich gar nicht, denn Frau muss nicht erst hohe Schuhe und enge Rocke für sich entdecken um frei und selbstbestimmt zu sein und auch Männer müssen nicht erst im Sumpf des Suffs abgleiten um dann, wie Phoenix aus der Asche, endlich ein wenig erwachsen zu werden. Das muss gar nicht alles sein... aber dafür hätte man sicherlich ein wenig tiefer in die Geschichte der Charaktere eindringen müssen, als es Nicholls getan hat. In den relativ kleinen Raum, den ein einziger Tag pro Kapitel abgibt, kann man eben nur so und soviele Events und Zeitzeichen einbauen. Macht man von dem einen mehr und von dem anderen weniger, dann dringt man eben nicht so tief.

... und auch der Anfang vom Ende greift für mich nicht wirklich, anrührend empfand ich es nicht, nur abermals viel klassisch und voller Klischees.

Fazit:

Nette Sommerunterhaltung mit Tiefgangsqualitäten, die leider immer an der Oberfläche hängenbleiben. Es war ein bisschen so, als wenn Nicholls der Stoff für zwanzig Jahre ausgegangen wäre, wäre er mal hier oder da etwas tiefer in die Charaktere eingedrungen.