Soulless - Gail Carriger

Soulless - Gail Carriger

 

 

Pssst...
Ja, ich rede mit dir, aber bitte, drehe dich nicht um! Möchtest du ein A kaufen? Psst! Ja genau, oder ähh nein ähhh... Eigentlich habe ich habe da etwas zu gestehen...
Nein, schau mich nicht so an, bitte, höre einfach nur zu. In Ordnung, gut...
Psst... ja, ich habe, oh je, es ist so peinlich, ich habe da ein Buch gelesen. So eins mit...
Mit Vampiren, ja genau, und mit Werwölfen... hmm.
Ja, es ist mir so furchtbar unangenehm...
Nein, es ist nicht schwarz, nein es hat keinen Apfel auf dem Cover. Nein auch kein blutrotes Band... zum Glück nicht...
denn es hat mir wirklich gut gefallen.


„Soulless – Seelenlos“ ist eine dieser Perlen, für die es lange braucht bis sie sich aus dem Wust der Trittbrett-fahrenden Vampirromane in der Nachfolge von Twilight und Sookie zu mir durcharbeiten konnten. Aber was für eine Entdeckung... wenn ihr je auf der Suche nach einem Steampunk-Paranormal Romance–Alternativ History-Buch seit, angefüllt mit Kalauern und blitzendem Humor a la Christoper Moore, hier werdet ihr fündig. Oder ich wurde es zumindest... und es gibt sogar einen Vampir von dem man behaupten könnte das er „glitzert“, aber das hat rein gar nichts mit Tageslicht zu tun und Pupertätskrisen und Mormonenglück sucht man auch vergeblich.

Wie begeben uns ins England 1870, das auf den ersten Schein eben genau dies ist... aber eben nur auf den ersten Blick, denn mit der Renaissance hat diese Welt einen anderen Weg eingeschlagen als die unsere. Vampire, Werwölfe, Gespenster und Poltergeister sind alle Mitglieder der inklusiven britischen Gesellschaft...

Dort begegnen wir Alexia Tabotti, einer englischen Dame, die sich dank ihres Vaters, eines Italieners, damit abfinden muss, nie englische Dame genug sein zu können. So bleibt sie skandalös lange unverheiratet und ist mit einem Gehirn gesegnet und einem Teint, der leider ein paar Nuancen zu dunkel ist. Zudem hat sie von ihrem Vater noch etwas anderes geerbt. Wie er, ist sie nicht im Besitz einer Seele... und diese Seelenlosigkeit macht sie zu etwas fast schon einzigartigem.

Bewaffnet mit einem Sonnenschirm und einer spitzen Zunge schlägt sich Alexia mit ihrem Schicksal als alte Jungfer herum, und schon im ersten Kapitel mit einem Vampir... was für eben jenen tödlich endet... und von da ab ist es eine Achterbahnfahrt der Gefühle, aber auch eine die in die verbrecherischen Ecken Londons führt....

Für mich war dieses Buch ein echter Segen, ich habe meine in den letzten Jahren inflationär ansteigende Abneigung gegen die neue Art von Vampir-, Werwolf und Zombieromanzen überwunden, oder werde hierfür zumindest in der nächsten Zeit eine geräumige Ausnahme machen. Denn dieses Buch ist witzig, erzählt eine interessante Geschichte und hat eine eigene, aber durchweg gut konzipierte neue Welt im Nacken. Gail Carriger hat ihren eigenen Stil und nimmt wie nebenbei die großen britischen Klassiker der viktorianischen Epoche aufs Korn, wobei immer auch ihre Liebe für diese Literaturgattung durchkommt. Die Charaktere sind gut gezeichnet und obwohl immer mit dem humorigen Auge gesehen, auch ernsthaft genug um echt zu wirken.

Einzig die Nebencharaktere bleiben ein wenig blass und stereotyp. Aber, da es eine Reihe ist und ich die nächsten Bände schon hier liegen habe, hoffe ich, dass sich da noch etwas tut. Für einen ersten Band einer neuen Autorin war dieses Buch schon so gut, dass ich kaum abwarten kann was sich in diesem schrägen Hirn sonst noch verbirgt.
Die nächsten Treffen mit Alexia Tarabotti, Lord Maccon und Ivy Hisselpenny sind schon gebucht.

Fazit:
Es scheint schon ewig lange her zu sein, dass ich so richtig enthusiastisch über eine neuen Reihe war, aber das Gefühl noch mal zu erleben ist wirklich wundervoll.